Mein Seelenpfad

Sinnvolle Rituale für Hinterbliebene zur energetischen Unterstützung im Alltag

Sinnvolle Rituale für Hinterbliebene und energetische Unterstützung bei der Ahnenarbeit im Trauerbewältigungs-Alltag

Ich bin schon eine Weile im Volkspark Bornstedt unterwegs, auf dem Rückweg zwischen den kahlen Alleebäumen, als mir auffällt: seit gut zwanzig Minuten habe ich nicht an meinen Vater gedacht. Kein schlechtes Gewissen dabei, nur diese leise Verwunderung, mit der man eine fehlende Akte im Regal bemerkt. Für eine Bibliothekarin, die seit dem Herbst 2022 lernt, Trauerbewältigung eher wie die Pflege eines lebendigen Bestands zu behandeln als wie einen abgeschlossenen Fall, ist das kein kleiner Fund. Genau darum geht es bei den energetischen Ritualen, die ich seit den phoenix999-Kursen in meinen Alltag eingebaut habe: nicht um große Gesten, sondern um das, was sich erst später — auf dem Rückweg, beim Abwaschen, in der Ausleihe — als Verschiebung zeigt.

Zwanzig Minuten ohne ihn im Kopf, das klingt banal, aber es ist die Art Beobachtung, die ich seit Woche acht in mein Leinenheft schreibe, seit ich angefangen habe, dieses Selbsttest-Tagebuch nicht mehr nur nebenbei zu führen, sondern als festen Eintrag neben Ausleihfristen und Regalnummern zu behandeln. Die Ahnenarbeit, die ich über die vier phoenix999-Kurse für mich entdeckt habe, hat wenig mit Verbannung der Trauer zu tun und viel mit Zuordnung: Wo gehört dieses Gefühl hin, welcher Linie, welchem Namen?

Gelber Karteikasten mit handbeschriebenen Notizkarten als Ritual-Werkzeug für energetische Ahnenarbeit

Ein Ritual ohne Abschiedszwang

In der klassischeren Trauerarbeit heißt es oft, man solle loslassen, Fotos wegräumen, „nach vorne schauen". Aus bibliothekarischer Sicht ist das ein handwerklicher Fehler: Man sondert keine Quellen aus einem Bestand aus, nur weil sie schwer zu lesen sind. Was mir persönlich hilft, ist die Vorstellung der Ahnenlinie als ein Regal, das nicht geräumt, sondern neu beschriftet wird — mein Vater bekommt darin keinen Platz in der Vergangenheit, sondern eine laufende Signatur in der Gegenwart.

Für mich war das am Anfang schwer zu glauben, bis ich beim Wiederlesen alter Karten merkte, dass sich genau dadurch angefangen hat, die Schwere im Herzraum zu lösen — langsam, über mehrere Sessions verteilt, nicht in einem einzigen Moment. Ein Vorher-Nachher-Bild würde ich daraus nicht machen wollen. Es war eher so, dass die Karten mit der Zeit weniger schwer in der Hand lagen.

Ein passendes Ritual erkennen

Ein Kriterium, das sich für mich bewährt hat: Wenn ich nach einer Übung ruhiger aus dem Tag gehe als vorher, bleibt die Karte im Kasten. Fühlt sie sich nach Pflichtprogramm an, fliegt sie wieder raus. Das klingt simpel, aber es hat mich davor bewahrt, jede neue Übung aus den Kursen sofort zur täglichen Pflicht zu erklären. Manche Ansätze gegen eine energetische Blockade lösen bei mir sofort etwas, andere brauchen mehrere Wochen, bis überhaupt etwas passiert — und manche funktionieren bei mir schlicht nie, egal wie oft ich sie versuche.

Genau deshalb behandle ich jede Sitzung inzwischen wie ein eigenes Dokument: mit Datum, mit kurzer Notiz, mit Querverweis auf die vorherige, falls ein Muster auftaucht. Das hat wenig mit Esoterik zu tun und viel mit der immer gleichen Frage, die ich beruflich stelle: Gehört das hierher, oder woanders hin?

Nicht jeder Versuch hat funktioniert

Im Frühjahr hatte ich einen Wochenendworkshop zur Trauerbewältigung gebucht, mit Anfahrt, mit Übernachtung, mit einem Programm, das seriös aussah. Zwei Tage vorher habe ich storniert. Ich weiß bis heute nicht genau, wovor ich mich gedrückt habe — vielleicht davor, meine Trauer vor fremden Menschen in einem Stuhlkreis zu verhandeln, während ich sie zu Hause längst in eine eigene Systematik gebracht hatte, die für mich funktioniert.

Es war keine mutige Entscheidung, nur eine ehrliche.

Ich habe seitdem für mich gelernt, dass gerade die Andreas Goldemann Kurse bei tiefer Trauer helfen können, genau weil sie keinen Termin und keinen Stuhlkreis brauchen, sondern zu Hause stattfinden, in meinem eigenen Tempo, ohne dass jemand zusieht, wenn eine Sitzung nicht funktioniert.

Darüber habe ich neulich mit Benedikta geschrieben, einer Bekanntschaft aus dem Andreas-Goldemann-Forum, die öffentlich Zweifel formuliert, wo andere im Forum meist nur Fortschritte posten. Sie fragte, ob ich mir das Stornieren später noch vorgeworfen habe. Die ehrliche Antwort: nein, weil die Sitzungen zu Hause ohnehin die einzige Form waren, in der ich über meinen Vater sprechen konnte, ohne dass daraus ein Termin mit Erwartungen wurde.

Aufgeschlagenes Leinenheft mit Füllfederhalter für das Selbsttest-Tagebuch zur phoenix999-Ahnenarbeit

Eine Karte für das Trauercafé einsortieren

Lieselind aus dem Potsdamer Trauercafé merkt sich Ortsnamen besser als ich mir Signaturen merke. Neulich fragte sie genau nach dem Park, durch den ich am Sonntag gelaufen war, und wusste beim nächsten Treffen noch, dass ich „den mit den Alleebäumen" gemeint hatte. Solche kleinen Details bei anderen Trauernden zu bemerken, hat mir gezeigt, dass die Rituale, die ich für mich gefunden habe, auch spürbar auf das wirken, was um mich herum passiert — auf Gespräche, auf wie aufmerksam ich zuhöre, nicht nur auf meinen eigenen Zustand.

Die Karte dazu sortiere ich trotzdem allein ein, zu Hause, ohne dass daraus ein Austausch im Café selbst wird. Manche Einträge bleiben privat, auch wenn andere Trauernde sie vermutlich verstehen würden.

Blick durch ein Fenster auf herbstliche Parkbäume in der Abenddämmerung als Sinnbild für Trauerbewältigung

Am Ende bleibt eine wiederholbare Kleinigkeit

Frostige Nächte machen aus der alten Heizung in meiner Wohnung ein eigenes Geräusch — ein trockenes Klacken, das ich früher als störend empfand und inzwischen fast wie einen Taktgeber für die Sonntagabend-Notizen höre.

Ausgerechnet in solchen Nächten schreibe ich am ehesten ins Leinenheft, weil das Klacken mich daran erinnert, dass sich auch eine alte Wohnung ständig neu setzt, ohne dass etwas einstürzt. Meine Ahnenarbeit funktioniert für mich ähnlich: nichts daran ist fertig, aber es muss auch nichts zusammenbrechen, damit sich etwas bewegt.

Das hat auch verändert, wie sich mein Blick auf Sanssouci verändert hat auf dem Weg zur Bibliothek, auch wenn mein eigentlicher Rückzugsort inzwischen eher der Volkspark Bornstedt ist. Für mich, wohlgemerkt — nicht als Empfehlung für jede Trauer, die anders verläuft als meine.

Wenn ich heute jemandem raten müsste, der frisch trauert und nach einem sinnvollen Ritual sucht, würde ich sagen: Fang nicht mit der großen Geste an, sondern mit einer einzigen wiederholbaren Kleinigkeit — einer Karte, einem Weg, einem Satz im Heft — und beobachte über mehrere Wochen, ob sie dich ruhiger macht oder nur beschäftigt hält. Das ist der einzige Test, der bei mir bisher zuverlässig war.

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