Mein Seelenpfad

Positive Wirkung der Ahnenarbeit: Ein neuer Blick auf meine eigene Familie

Positive Wirkung der Ahnenarbeit: Ein neuer Blick auf meine eigene Familie

Es ist Sonntagabend in Potsdam, und das Licht über dem Sanssouci-Park hat diesen spezifischen, blassgoldenen Ton, den es nur im Hochsommer kurz vor dem Verlöschen annimmt. Ich sitze an meinem Schreibtisch in meiner Gründerzeit-Wohnung – das Gebäude stammt etwa aus dem Jahr 1871 – und vor mir liegt mein gelber Karteikasten. Er enthält keine Signaturen für Fachliteratur mehr, sondern Querverweise zu meiner eigenen Geschichte. In den letzten neun Monaten, seit ich im späten Herbst 2025 intensiv mit der Ahnenarbeit begonnen habe, ist dieser Kasten zu einer Art Kompass geworden.

Hinweis: Einige der Links auf diesen Seiten sind Affiliate-Links. Wenn du einen Kurs über einen dieser Links buchst, erhalte ich eine Provision — dein Preis ändert sich dadurch nicht. Ich schreibe nur über Kurse, die ich selbst durchgearbeitet und in mein Leinen-Heft eingetragen habe. Mein ausführliches Impressum findest du unten verlinkt. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin; meine Notizen sind rein persönlicher Natur. Bei akuter Trauer oder psychischen Krisen solltest du unbedingt eine professionelle Trauerbegleitung oder Psychotherapie aufsuchen.

Seit dem Herbst 2022, als mein Vater in einer ganz normalen Donnerstagnacht ohne Vorwarnung an einem Herzinfarkt starb, habe ich funktioniert. Ich habe Bestände katalogisiert, Ausleihen verbucht und die Stille in der Bibliothek bewahrt, während es in mir selbst laut und chaotisch war. Erst als ich durch Zufall auf einen Clip von Andreas Goldemann stieß, fand ich eine Systematik, die meine innere Unordnung greifbar machte. Mittlerweile habe ich alle 4 phoenix999-Kurse durchgearbeitet. Es war keine plötzliche Heilung, sondern eine langsame, präzise Rekonstruktion meines inneren Archivs.

Die Inventur des Schweigens: Wenn Protokolle versagen

Als ich mit der ersten Session der Ahnenarbeit anfing, versuchte ich, es wie eine Dienstanweisung anzugehen. Ich saß hier mit meinem Füller und wollte jedes Wort, jede Schwingung transkribieren, wie ein Wortprotokoll einer Gremiensitzung. Es war ein kläglicher Versuch, die Kontrolle zu behalten. Doch ich merkte schnell: Mein Stift kam nicht gegen die emotionale Entladung an. Das Papier blieb leer, während ich zum ersten Mal seit Jahren einfach nur saß und fühlte, wie sich die Starre in meinen Schultern löste.

In der Bibliothek nennen wir das „Aussondern“ – wenn Bestände, die keinen Nutzen mehr haben oder veraltet sind, aus dem System entfernt werden, um Platz für Neues zu schaffen. Ahnenarbeit fühlte sich für mich genau so an. Ich begriff, dass ich jahrelang emotionale Altlasten meiner Familie mit mir herumgeschleppt hatte, die gar nicht meine Signatur trugen. Es war ein Prozess des Sortierens. Besonders für Menschen, die – anders als in vielen kitschigen Ratgebern beschrieben – kein inniges Verhältnis zu ihrer Familie haben, ist dieser distanzierte, archivarische Blick ein Segen.

Nahaufnahme eines gelben Karteikastens für die systematische Ahnenarbeit.

Man muss seine Ahnen nicht „lieben“, um mit ihnen zu arbeiten. Man muss sie nur als Teil des Bestands akzeptieren. Für mich war das der entscheidende Wendepunkt. Ich musste keine Versöhnung erzwingen, die sich unehrlich anfühlte. Ich musste nur die energetischen Blockaden lösen, die wie falsch einsortierte Bücher den Zugriff auf meine eigene Kraft versperrten. Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat, findet oft erst durch eine strukturierte Herangehensweise den nötigen Halt, um innere Wurzeln finden zu können, ohne sich im Schmerz zu verlieren.

Februar-Nebelerkenntnisse und die Wärme im Bestand

Ich erinnere mich an die grauen Wochen im letzten Februar. Es war ein Dienstag, draußen herrschte dieser typische Potsdamer Nieselregen, der die Fassaden der Jägervorstadt dunkel färbt. Ich arbeitete an einer Session zur Klärung der väterlichen Linie. Jahrelang hatte ich das Schweigen meines Vaters als Mangel an Zuneigung katalogisiert. In dieser Sitzung, während ich den Klängen und Impulsen folgte, änderte sich meine Marginalie zu diesem Thema radikal.

Plötzlich verstand ich in einem inneren Monolog: Sein Schweigen war kein Desinteresse. Es war ein riesiges, schweres Archiv aus Dingen, die er selbst nie gelernt hatte einzuordnen. Er hatte keinen Katalog für seine Gefühle. In diesem Moment spürte ich eine plötzliche, ausstrahlende Wärme in meinem unteren Rücken. Es fühlte sich an, als würde ein bleischweres Gewicht, das dort seit Jahrzehnten gelagert war, endlich korrekt ins Regal geschoben werden. Mein Körper gab eine Rückmeldung, die kein Verstand hätte formulieren können.

Diese physische Erleichterung ist oft der erste Schritt, um überhaupt wieder belastbar zu sein. In meinem Berufsalltag merkte ich das sofort. Die Arbeit an der Informationstheke, die mich früher oft ausgelaugt hat, fiel mir leichter. Ich konnte dem Chaos der Nutzer mit einer neuen Gelassenheit begegnen. Es gibt viele Wege, wie man Ahnenarbeit im Berufsalltag integrieren kann, oft sind es nur kleine, unsichtbare Anker, die den Unterschied machen.

Eine Hand schreibt Notizen in ein Leinen-Heft während einer Ahnenarbeit-Session.

Systematik statt Esoterik: Die Arbeit mit 7 Generationen

Was mich an der Methode von Andreas Goldemann hält, ist das Fehlen von pseudowissenschaftlichem Pathos. Ich behandle die Sessions wie Archivmaterial: datiert, mit Querverweisen in meinem Leinen-Heft. Wenn ich morgens vor der Arbeit übe, ist das meine Form der Bestandspflege. Es geht darum, die 7 Generationen hinter mir nicht als Geister zu betrachten, sondern als ein energetisches Fundament. In der Genealogie und der systemischen Arbeit geht man davon aus, dass Traumata über mehrere Generationen wirken können – eine Erkenntnis, die mir als Bibliothekarin sehr logisch erscheint.

Manchmal gibt es Wochen, in denen gar nichts passiert. Ende Mai zum Beispiel hatte ich eine Phase, in der ich mich nur leer fühlte. Jede Session fühlte sich an wie das Lesen eines Buches in einer Sprache, die ich vergessen hatte. Ich habe dann einfach aufgehört zu forcieren. In meinem gelben Karteikasten gibt es Karten, die nur ein Datum tragen und das Wort „Vakuum“. Auch das gehört zur Wahrheit: Heilung ist kein linearer Prozess, sondern eine Wellenbewegung.

Ein besonders schöner Moment war ein heller Morgen im frühen Juni. Ich öffnete das Fenster zum Park, und der Duft von frischem Gras mischte sich mit dem spezifischen, trocken-vanilligen Geruch meiner alten Karteikarten und dem Duft des neuen Leinens meines Tagebuchs. In diesem Moment spürte ich eine tiefe Verbundenheit, die nichts mit Trauer zu tun hatte. Es war die Erkenntnis, dass ich nicht allein im Lesesaal des Lebens sitze. Die Ahnenarbeit hatte die Qualität meiner Beziehungen zu den Lebenden verändert, weil ich nicht mehr erwartete, dass sie die Lücken füllen, die meine Vorfahren hinterlassen hatten.

Blick aus einer Potsdamer Wohnung auf den Sanssouci Park in der Abenddämmerung.

Ein neuer Blick auf das Familien-Archiv

Wenn ich heute auf meine Familie blicke, sehe ich keine geschlossene Abteilung mehr, zu der ich keinen Zutritt habe. Ich sehe ein lebendiges Archiv. Die positive Wirkung der Ahnenarbeit zeigt sich bei mir vor allem in einer gesteigerten mentalen Klarheit. Ich bin nicht mehr die Kuratorin eines Museums der Trauer, sondern die Verwalterin einer Kraftquelle. Es ist erstaunlich, wie sehr das systematische Archivieren meiner Kursnotizen mir dabei geholfen hat, den Überblick zu behalten.

Letzten Monat, an einem schwülen Sonntagabend, blätterte ich in meinen ersten Aufzeichnungen vom November 2025. Der Unterschied ist frappierend. Damals suchte ich nach Antworten; heute genieße ich die Stille. Ich habe gelernt, dass man emotionale Altlasten loslassen kann, ohne eine langjährige Therapie machen zu müssen, sofern man bereit ist, sich auf die energetische Ebene einzulassen. Es ersetzt keinen Arzt, aber es ergänzt das Leben um eine Dimension der Tiefe, die ich in keinem Fachbuch gefunden habe.

Ich klappe mein Leinen-Heft für heute zu. Die Sonne ist nun fast hinter den Bäumen von Sanssouci verschwunden. Morgen früh werde ich wieder an der Ausleihe stehen, Signaturen prüfen und Bücher ordnen. Aber in mir drin wird diese Ordnung fortbestehen, die ich Schicht für Schicht, Generation für Generation, in den letzten Monaten erarbeitet habe. Es ist ein gutes Gefühl, den eigenen Bestand zu kennen und zu wissen, dass jedes Buch – und jeder Ahne – seinen richtigen Platz gefunden hat.

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