
An einem frühen Samstagmorgen blickte ich über den nebligen Sanssouci-Park und realisierte, dass meine losen Notizzettel aus zwei Jahren Trauerarbeit genau das Chaos spiegelten, das ich in meinem Kopf ordnen wollte. Es war einer dieser kühlen Momente im vergangenen späten Winter, kurz nachdem ich den vierten der phoenix999-Hauptkurse abgeschlossen hatte. Die Sonne schaffte es kaum durch den Dunst, und auf meinem Schreibtisch türmten sich Papiere, die eigentlich meine Heilung dokumentieren sollten, sich aber anfühlten wie ein ungeordneter Nachlass ohne Signatur.
Die Bestandsaufnahme: Wenn Notizen zum Ballast werden
Seit dem Tod meines Vaters im Herbst 2022 habe ich vieles aufgeschrieben. Zuerst waren es nur verzweifelte Sätze in der Nacht, später wurden es präzise Beobachtungen während der Sessions mit Andreas Goldemann. Doch im Laufe der Zeit wuchs dieser Bestand so stark an, dass ich den Überblick verlor. Ich hatte zwar alle vier Kurse durchgearbeitet, aber die Erkenntnisse lagen wie lose Blätter in einem windigen Flur. Als Bibliothekarin weiß ich: Ein Buch, das nicht katalogisiert ist, existiert im System der Bibliothek praktisch nicht. Es ist unauffindbar, wenn man es am dringendsten braucht.
Ich begann zu begreifen, dass das bloße Konsumieren der Sessions – so kraftvoll sie auch waren – nicht ausreichte. Ich musste meine berufliche Systematik auf meine Innenwelt übertragen. Es ging nicht mehr nur darum, die Ahnenlinie zu fühlen, sondern diese Erfahrung so zu sichern, dass sie ein stabiles Fundament bildet. Ich bin keine Therapeutin und habe keine schamanische Ausbildung; ich bin eine Frau, die Ordnung braucht, um atmen zu können. Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet, sollte wissen, dass meine Methode rein persönlicher Natur ist und niemals eine professionelle Trauerbegleitung oder Psychotherapie ersetzt, besonders wenn der Verlust noch ganz frisch ist.

Das System: DIN A6 und die Ordnung der Innenwelt
Während der ersten warmen Aprilwochen dieses Jahres traf ich eine Entscheidung. Ich kaufte mir einen schlichten, gelben Karteikasten aus Holz. Für mich ist das kein Retro-Kitsch, sondern ein bewährtes Werkzeug. Das Standardformat für Karteikarten, DIN A6 mit den Maßen 105 x 148 mm, bietet genau den Raum, den eine wesentliche Erkenntnis braucht – nicht mehr und nicht weniger. Jede Karte bekommt eine Signatur, ein Datum und Schlagworte.
Wenn ich heute eine Session aus dem Kurs 'Kraft der Ahnen' wiederhole, sitze ich meistens morgens vor der Arbeit in meiner Potsdamer Wohnung. Danach nehme ich mir zehn Minuten Zeit für die Marginalia. Ich notiere nicht den gesamten Inhalt, sondern nur die Resonanz in meinem Körper. Ein tiefes Ausatmen und das Nachlassen der Spannung in den Schultern, sobald ein kompliziertes Gefühl ein festes Schlagwort bekommt – das ist der Moment, in dem die Archivierung beginnt. Es ist ein Akt der Externalisierung, der mein Arbeitsgedächtnis entlastet. Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung: Wie das Ordnen meiner Notizen hilft, habe ich schon einmal in einem anderen Zusammenhang beschrieben, aber die Systematik des Karteikastens hebt das Ganze auf eine neue Ebene.

Die Gefahr der Auslagerung: Warum Archivieren kein Fühlen ersetzt
Doch ich stieß auch auf eine Falle, die ich als Bibliothekarin nur zu gut kenne. Das ständige Archivieren von Kursnotizen erzeugt oft eine trügerische Sicherheit, die den eigentlichen Lernprozess durch das vorzeitige Auslagern von Wissen ins digitale oder analoge Gedächtnis eher blockiert als fördert. An einem schwülen Abend im Juni merkte ich, dass ich eine Karte über die 'mütterliche Linie' schrieb, ohne die Traurigkeit, die dabei aufstieg, wirklich zuzulassen. Ich wollte sie nur schnell 'ablegen'.
Ich nenne das den 'Archiv-Reflex'. Man denkt, weil man es ordentlich verschlagwortet hat, hätte man die Arbeit bereits getan. Aber die phoenix999-Kurse basieren auf Frequenzen und intuitiver Arbeit, nicht auf reiner Aktenführung. In jener Woche ließ ich den Karteikasten bewusst geschlossen. Ich musste lernen, dass das Archiv nur der Spiegel der Erfahrung ist, nicht die Erfahrung selbst. Wenn ich die Karten sortiere, muss ich bereit sein, die Emotionen noch einmal kurz zu berühren, bevor ich sie einordne. Das raue Gefühl des grauen Leinenstoffs meines Tagebuchs unter meinen Fingern und das leise Klicken der Metallreiter im Karteikasten in der morgendlichen Stille sind für mich Anker, die mich im Hier und Jetzt halten, während ich mich mit der Vergangenheit beschäftige.

Der Querverweis: Eine Entdeckung zwischen Trauer und Ahnenlinie
Seit etwa drei Monaten arbeite ich nun mit dieser strikten Querverweis-Struktur. Der Durchbruch kam völlig unerwartet. Beim Einsortieren einer Karte zum Thema 'Ahnenlinie' aus dem dritten Kurs fand ich eine alte Notiz, die ich in der ersten Woche nach dem Tod meines Vaters verfasst hatte. Damals schrieb ich über ein Gefühl der 'unendlichen Schwere in den Knöcheln'.
Durch die systematische Ablage konnte ich diese alte Notiz mit einer Session von Andreas Goldemann verknüpfen, in der es um die Erdung durch die Vorfahren ging. Plötzlich ergab alles einen Sinn. Es war kein zufälliger Schmerz, sondern ein unbewusster Ausdruck der verlorenen Verbindung. Diese Verknüpfung in meinem gelben Kasten zu sehen – schwarz auf weiß, mit einem präzisen Querverweis – schenkte mir eine tiefe mentale Ruhe. Es war, als ob ein falsch einsortiertes Buch endlich an seinem richtigen Platz im Regal gelandet wäre. In solchen Momenten hilft es sehr, die Stille nach einem Trauerfall bewältigen mit Übungen aus der Ahnenarbeit zu können, um nicht in der Analyse stecken zu bleiben.

Fazit: Ordnung im Kasten, Ruhe im Kopf
Mentale Klarheit entsteht für mich nicht durch einen plötzlichen Blitz der Erleuchtung, sondern durch das sorgfältige Ablegen und Wiederfinden der eigenen Erkenntnisse im privaten Archiv. Jeden Sonntagabend sitze ich nun an meinem Sekretär, blicke vielleicht kurz hinaus zu den dunklen Umrissen der Bäume im Park und pflege meinen Bestand. Es ist eine Form der Selbstfürsorge, die meine bibliothekarische Seele beruhigt.
Man braucht keine Ausbildung zur schamanischen Heilerin, um seine Ahnenlinie zu klären. Manchmal reicht ein gelber Karteikasten, ein guter Kurs und der Mut, die eigenen inneren Prozesse mit derselben Sorgfalt zu behandeln wie ein wertvolles Manuskript. Ich bin keine Expertin für das Übernatürliche. Ich bin eine Frau, die gelernt hat, dass Klarheit das Ergebnis von Ordnung ist – im Regal wie im Herzen. Falls du selbst gerade beginnst, deine Notizen zu ordnen: Sei geduldig mit dir. Nicht jede Erfahrung lässt sich sofort verschlagworten, und manche Seiten im Leinen-Heft bleiben eben für ein paar Wochen leer. Das gehört zum Prozess dazu.