Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung: Wie das Ordnen meiner Notizen hilft

Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung: Wie das Ordnen meiner Notizen hilft
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Es war ein grauer Morgen im November, als ich am Fenster meiner Potsdamer Wohnung stand und auf die kahlen Baumwipfel im Park Sanssouci blickte. Die 290 Hektar Parklandschaft, die sich normalerweise wie ein weitläufiges Wohnzimmer vor mir ausbreiten, wirkten an diesem Tag wie eine unüberwindbare Wildnis. Ich fühlte mich bleiern, als hätte jemand den Bestand meines Lebens falsch einsortiert und ich fände die Signatur zu meiner eigenen Energie nicht mehr.

Hinweis: In meinen Texten finden sich gelegentlich Links zu den Kursen, die ich hier beschreibe. Wenn du einen Kurs über einen dieser Links buchst, erhalte ich eine Provision — dein Preis ändert sich dadurch natürlich nicht. Ich schreibe hier ausschließlich über Erfahrungen, die ich selbst gemacht und in mein Leinen-Heft eingetragen habe. Mein Ziel ist es, dir einen ehrlichen Einblick in meinen Weg zu geben, ohne dass du dabei mehr bezahlst.

Seit dem plötzlichen Tod meines Vaters im Herbst 2022 hatte ich versucht, einfach weiterzufunktionieren. In der Fachbibliothek, in der ich arbeite, klappt das hervorragend: Bücher haben klare Standorte, Systematiken sind logisch, und wenn ein Werk fehlt, gibt es ein Protokoll. Doch mein inneres Archiv war im Chaos versunken. Erst als ich an jenem Novembermorgen mein schlichtes Leinen-Heft aufschlug, begriff ich, dass meine emotionale Erschöpfung kein technischer Defekt war, sondern eine überfällige Revision meiner Ahnenlinie.

Die Systematik des Fühlens: Mein gelber Karteikasten

Als Bibliothekarin liebe ich Ordnung. Nicht aus Zwang, sondern weil sie Orientierung bietet. Als ich begann, alle 4 phoenix999-Hauptkurse von Andreas Goldemann durchzuarbeiten, behandelte ich die Sessions wie wertvolle Primärquellen. Ich legte mir einen gelben Karteikasten an — das klassische Modell, das heute kaum noch in modernen Bibliotheken zu finden ist, mir aber als Anker dient.

Jede Karteikarte erhielt eine eigene Signatur. Ich orientierte mich lose an der Dewey-Dezimalklassifikation, speziell der Klasse 929 für Genealogie. Wenn ich eine Session aus dem Kurs 'Kraft der Ahnen' machte, notierte ich nicht nur das Datum, sondern auch Querverweise zu körperlichen Reaktionen. Ein Druck in der Brust? Marginalia am Rand: 'Siehe auch Session 3, Vater-Linie'. Ein plötzliches Wärmegefühl im Becken? 'Bestandserweiterung: Urvertrauen'.

Ein gelber Karteikasten aus Holz mit handbeschriebenen Karteikarten zur Ahnenarbeit auf einem Schreibtisch.

Gegen Ende Februar merkte ich, dass dieses Ordnen mir half, die emotionale Fatigue zu objektivieren. Wenn die Erschöpfung kam, war sie nicht mehr ein diffuser Nebel, der mich verschluckte. Sie wurde zu einem Dokument, das ich lesen und einordnen konnte. Es war beruhigend zu sehen, dass meine Müdigkeit oft dann auftrat, wenn ich in den Übungen tief in die mütterliche Linie eintauchte — jene Linie, die in meiner Familie immer durch Schweigen und 'Durchhalten' gekennzeichnet war.

Wenn die Methode an ihre Grenzen stößt: Der Versuch, Tränen zu katalogisieren

Nach etwa drei Monaten täglicher Praxis passierte etwas, das in keinem Handbuch steht. Ich saß an einem Samstagnachmittag an meinem Schreibtisch und versuchte, meine Tränen während einer besonders intensiven Session in Kategorien von 1 bis 10 zu ordnen. Ich wollte eine Statistik erstellen: Welche Ahnen-Sitzung löst welche Intensität an Trauer aus? Ich wollte den Schmerz in ein Excel-Sheet pressen, um ihn kontrollierbar zu machen.

Es funktionierte nicht. Mitten in der Übung, während die Resonanzstimme von Andreas Goldemann den Raum füllte, brach mein System zusammen. Ich merkte, dass Schmerz kein Excel-Sheet ist. Er lässt sich nicht in Spalten und Zeilen zwingen. In diesem Moment wurde mir klar, dass mein bibliothekarischer Drang zur Systematik auch ein Schutzschild war. Ich ordnete, um nicht fühlen zu müssen. Ich katalogisierte, um Distanz zu wahren.

Hier muss ich eine wichtige Anmerkung machen, die mir sehr am Herzen liegt: Ich bin keine Therapeutin oder Heilerin. Ich bin eine Frau mit einem Karteikasten, die einen Weg aus der Trauer sucht. Für Menschen mit komplexen Traumata kann dieses alleinige Durcharbeiten von energetischen Kursen gefährlich sein. Das bloße Ordnen von Notizen ersetzt keine professionelle Begleitung. Wenn alte Wunden zu tief aufbrechen, kann die Erschöpfung durch eine Retraumatisierung sogar massiv verschlimmert werden. In solchen Fällen ist es unerlässlich, sich an einen Profi zu wenden. Mein Weg ist ein privates Experiment, kein medizinischer Rat.

Vom Archivmaterial zur lebendigen Ahnenkraft

Trotz dieses Rückschlags — oder vielleicht gerade deswegen — half mir die Struktur meines Leinen-Hefts, dranzubleiben. Ich hörte auf, die Intensität zu messen, und fing an, die Sessions einfach nur zu datieren und kurz zu beschreiben. Es war die erste Juniwoche, als ich während einer Übung aus dem Phoenix999-Gesamtpaket ein plötzliches, tiefes Ausatmen erlebte. Meine Schultern sanken zum ersten Mal seit Wochen spürbar unter die Ohren. Es war kein spektakuläres Ereignis, kein Blitzschlag, sondern ein leises Einrasten.

Ich notierte danach nur einen Satz in mein Heft: 'Bestand gesichtet, keine Fehlstellen mehr.'

Nahaufnahme eines offenen Leinen-Notizhefts mit handschriftlichen Notizen und Randbemerkungen zur Ahnenforschung.

Dieses Gefühl der Geborgenheit in der eigenen Geschichte ist etwas, das ich mir früher nie hätte vorstellen können. Es gibt Tage, an denen ich die Übungen einfach ausfallen lasse, weil der Alltag in der Bibliothek mit verspäteten Rückgaben und Systemfehlern meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Das ist okay. Mein Leinen-Heft wartet auf mich. Es ist ein stiller Zeuge meiner Entwicklung, der mir zeigt, dass ich nicht im Dauertrauern verharren muss, sondern im Nachbearbeiten bin.

Oft hilft mir die Ahnenarbeit auch dabei, mich in meiner Wohnung wieder geborgen zu fühlen, besonders wenn der Wind vom Park her gegen die alten Doppelfenster drückt. Ich fühle dann nicht mehr nur die Einsamkeit der Gründerzeit-Zimmer, sondern die Präsenz derer, die vor mir waren und deren Kraft ich nun wie ein gut gepflegtes Archiv in mir trage.

Fazit eines Sonntagsabends

Jetzt sitze ich hier, das raue Leinen meines Notizhefts unter den Fingerspitzen, während der Tee dampft und die erste Amsel im Park Sanssouci ihren Abendgesang anstimmt. Der gelbe Karteikasten steht neben mir. Er ist nicht mehr mein Gefängnis, sondern mein Anker. Ich habe gelernt, dass Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung bedeutet, dem Chaos eine Form zu geben, ohne das Gefühl darin zu ersticken.

Wenn du dich selbst oft müde fühlst und das Gefühl hast, die Last deiner Familie unbewusst mitzutragen, kann ich dir nur raten: Fang an zu schreiben. Es muss kein kunstvolles Journal sein. Ein einfaches Heft reicht. Behandle deine Erfahrungen wie wertvolles Archivmaterial. Es hilft ungemein, Ruhe am Sonntagabend zu finden, wenn man weiß, wo man in seiner eigenen Geschichte gerade steht.

Ich bin keine Heilerin, ich bin nur eine Frau mit einem Karteikasten, die endlich wieder atmen will. Und manchmal ist ein tiefes Ausatmen am Ende einer Session die wichtigste Signatur, die man in seinem Leben setzen kann.

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