Mein Seelenpfad

Lebenskraft steigern mit Ahnenarbeit: Einfache Übungen für einen freien Kopf

Lebenskraft steigern mit Ahnenarbeit: Einfache Übungen für einen freien Kopf

Es ist Sonntagabend in Potsdam, und draußen über den weiten Flächen des Parks Sanssouci — immerhin stolze 290 Hektar — senkt sich die Dämmerung. Ich sitze an meinem Schreibtisch in der Gründerzeit-Wohnung, die Hand auf dem rauen Gefühl des grauen Leinen-Einbands meines Tagebuchs, während draußen der letzte Rasenmäher des Tages summt. In den letzten zwei Wochen habe ich gemerkt, wie viel Platz in meinem Kopf entstanden ist, seit ich die Ahnenarbeit nicht mehr als emotionale Grabung, sondern als eine Art Bestandsaufnahme und anschließende Aussonderung betrachte.

Seit dem Herbst 2022, als mein Vater völlig überraschend an einem Donnerstagabend starb, fühlte sich mein Geist an wie ein Archiv, in dem jemand die Regale umgestoßen hat. Es gab keine Signatur mehr, keine Ordnung, nur noch einen dichten Nebel aus übernommenen Lasten und ungeklärten Fragen. Erst als ich im letzten Jahr auf die Methode von Andreas Goldemann stieß, fand ich ein System, diesen inneren Bestand wieder zu ordnen, ohne in der Trauer zu versinken.

Die Systematik der inneren Ordnung: Mein gelber Karteikasten

Als Bibliothekarin liebe ich Strukturen. Ich habe gelernt, dass man Informationen nur dann wirklich nutzen kann, wenn sie richtig katalogisiert sind. Mein innerer Durchbruch kam eines Morgens im letzten November, als ich beschloss, meine Erfahrungen mit den vier phoenix999-Kursen wie Archivmaterial zu behandeln. Ich nutze dafür einen gelben Karteikasten im Format DIN A6. Jede Karteikarte steht für eine Session oder ein Gefühl, das während der Arbeit mit der Kraft der Ahnen auftaucht.

Was viele bei der Ahnenarbeit missverstehen, ist der Glaube, man müsse jedes Familiendrama bis ins kleinste Detail analysieren. Mein Ansatz ist ein anderer: Ich katalogisiere die energetische Signatur, nicht die Geschichte. Wenn ich morgens vor der Arbeit übe, geht es mir nicht darum, herauszufinden, warum meine Urgroßmutter so streng war. Es geht darum, das Gefühl der Strenge, das ich vielleicht noch in meinen eigenen Schultern trage, als 'Fremdbestand' zu identifizieren und auszusortieren.

Ein gelber Karteikasten mit DIN A6 Karten für die systematische Ahnenarbeit.

Diese Methode entlastet meinen mentalen Arbeitsspeicher enorm. Es ist, als würde man in einer Bibliothek die Dubletten entfernen, um Platz für neue, relevante Werke zu schaffen. Wer sich für diesen Weg interessiert, findet in meinem früheren Eintrag darüber, wie innere Wurzeln nach einem Verlust neuen Halt geben, weitere Details zu diesem Prozess.

Lebenskraft durch gezieltes Vergessen statt Erinnern

Hier kommt mein persönlicher Querverweis zu den gängigen spirituellen Lehren: Oft wird behauptet, Heilung geschehe durch das Durchleben alter Schmerzen. In meiner Praxis mit den phoenix999-Sessions habe ich das Gegenteil festgestellt. Wahre Lebenskraft entsteht durch energetische Distanzierung. Es ist eine Form des funktionalen Vergessens. Nicht das Vergessen der Person, sondern das Loslassen der energetischen Last, die diese Person ungefragt in meiner Ahnenlinie hinterlassen hat.

Nach etwa drei Monaten intensiver Praxis im Frühjahr bemerkte ich, dass mein Kopf freier wurde, weil ich aufhörte, nach 'Warum-Antworten' zu suchen. In der Bibliothek würden wir sagen: Man muss nicht jedes veraltete Lehrbuch lesen, um zu wissen, dass es im aktuellen Bestand keinen Platz mehr hat. Man erkennt die Signatur, stellt fest, dass sie nicht mehr passt, und leitet die Aussonderung ein. Das ist Ahnenarbeit für den rationalen Geist.

Es gab Wochen, in denen gar nichts passierte. Im März saß ich oft nur da, das Heft auf den Knien, und starrte auf die kahlen Bäume im Park. Die Sessions fühlten sich leer an. Aber auch das ist Teil der Archivarbeit: Manchmal ist die Inventur eben mühsam und liefert keine sofortigen Ergebnisse. Ich bin keine Therapeutin und habe keine schamanische Ausbildung; ich bin eine Frau, die mit einem Stift und ihrer Intuition versucht, ihre eigene Linie zu klären.

Ein windiger Nachmittag im April und das Kribbeln der Freiheit

An einem besonders windigen Nachmittag im April hatte ich ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Ich arbeitete gerade an einer Session aus dem zweiten Kursblock, die sich speziell mit den männlichen Vorfahren befasste. Plötzlich spürte ich ein warmes Kribbeln in den Fußsohlen, als würde sich ein altes, enges Band um meine Knöchel endlich lockern. Es war kein dramatischer Blitzschlag, sondern eher ein leises Nachgeben, wie eine alte Buchbindung, die nach Jahrzehnten des Drucks endlich entspannt.

Eine Hand schreibt Notizen in ein graues Leinen-Tagebuch während der Ahnenarbeit.

In diesem Moment verstand ich: Lebenskraft ist das, was übrig bleibt, wenn wir aufhören, die Lasten derer zu tragen, die vor uns gingen. Mein Vater hätte nie gewollt, dass ich seine unerfüllten Träume oder seine Ängste als meine eigenen archiviere. Indem ich diese energetischen Muster erkenne und sie durch die Arbeit mit Andreas Goldemanns Impulsen (Stimme und Bewegung) entlasse, gebe ich uns beiden Frieden.

Es ist wichtig zu betonen: Ich bin keine Ärztin. Wenn du das Gefühl hast, die Trauer oder der Stress erdrücken dich physisch, sprich bitte mit deinem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten. Ahnenarbeit ist eine wunderbare Ergänzung zur seelischen Hygiene, aber sie ersetzt keine medizinische Behandlung. Ich nutze sie als Werkzeug zur Selbstregulation, ähnlich wie ich meine mentale Klarheit durch systematisches Archivieren meiner Kursnotizen fördere.

Drei einfache Übungen für den bibliothekarischen Alltag

Wenn du das Gefühl hast, dein Kopf ist zu voll mit 'geerbten' Gedanken, probiere diese drei Schritte aus, die ich in mein Leinen-Heft unter 'Marginalia zur täglichen Praxis' notiert habe:

Barfuß auf Parkettboden im Morgenlicht als Symbol für Erdung und Ahnenkraft.

Diese kleinen Einheiten dauern oft nicht länger als zehn Minuten, bevor ich mit dem Fahrrad zur Bibliothek fahre. Sie sind meine Art der Epigenetik-Pflege ohne Labor. Es geht darum, den Raum zwischen den Gedanken zu vergrößern.

Heute Abend schließe ich mein Heft mit einem Gefühl der Zufriedenheit. Die Ahnenarbeit hat mir gezeigt, dass wir nicht die Summe unserer Vergangenheit sein müssen. Wir sind die Kuratoren unseres Lebens. Und ein guter Kurator weiß genau, wann es Zeit ist, ein Exponat ins Depot zu schicken, damit die Galerie wieder atmen kann. Mein Kopf ist heute frei, und der Blick auf Sanssouci ist so klar wie lange nicht mehr.

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