
Es war ein grauer Sonntagnachmittag, an dem die Stille in meiner Potsdamer Wohnung zum ersten Mal ein physisches Gewicht bekam. Ich stand im Flur meiner Gründerzeit-Wohnung und starrte auf den leeren Platz, an dem früher immer die Tasche meines Vaters lehnte, wenn er zu Besuch kam. Seit jenem Donnerstag im Herbst 2022, an dem sein Herz einfach aufhörte zu schlagen, hatte ich versucht, wie ein gut geöltes Archivsystem zu funktionieren: Katalogisieren, Ausleihe, Bestandspflege, Rückgabe. Doch an diesem Tag half keine Routine mehr gegen die Erschöpfung, die sich wie Staub auf meine Seele gelegt hatte.
Bevor ich fortfahre, ein kurzer Hinweis: Einige der Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Wenn du einen Kurs über diese Links buchst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis identisch. Ich schreibe hier ausschließlich über Erfahrungen, die ich selbst gemacht und in meinem Leinen-Heft dokumentiert habe. Das hier ist mein persönlicher Pfad, kein medizinischer Rat.
Der Zufallsfund zwischen den Regalen der digitalen Welt
Eigentlich suchte ich auf YouTube nur nach einer Anleitung für die Reparatur eines alten Bucheinbands, als mir ein Clip von Andreas Goldemann über die Kraft der Ahnen vorgeschlagen wurde. Ich bin von Berufswegen Skeptikerin; ich vertraue auf Signaturen und belegbare Quellen. Doch etwas an seiner Art ließ mich zum ersten Mal seit Monaten länger als fünf Minuten ruhig sitzen. Ich kaufte noch am selben Abend den ersten der mittlerweile vier phoenix999-Kurse. Es fühlte sich an, als hätte ich eine unbeschriftete Kiste im Keller meines Bewusstseins gefunden, die endlich eine Signatur brauchte.
Ich begann, die Sessions wie Archivmaterial zu behandeln. Jeden Morgen vor der Arbeit, wenn das Licht gerade erst über die Bäume des Sanssouci-Parks kriecht, nehme ich mir Zeit. Ich sitze an meinem Schreibtisch, trinke Earl Grey und lasse die Stimme und die Töne auf mich wirken. Ich bin keine Schamanin und keine Therapeutin. Ich bin eine Frau mit einem gelben Karteikasten, die versucht, ihre eigene Herkunft zu ordnen.

Systematik statt Esoterik: Mein gelber Karteikasten
In der Bibliothek nutzen wir klare Strukturen, um Wissen auffindbar zu machen. Genau das habe ich auf meine innere Arbeit übertragen. Meine Erkenntnisse aus den Kursen landen nicht in einem vagen Äther, sondern auf DIN A6 Karteikarten (genau 105 x 148 mm), die ich in meinem gelben Kasten alphabetisch sortiere. Es gibt Schlagworte wie 'Väterliche Linie', 'Verstrickung' oder 'Ressourcen'.
Diese Methode hilft mir, die emotionale Wucht der Trauer zu kanalisieren. Wenn ich mich mit der Stille nach einem Trauerfall auseinandersetze, schlage ich meine eigenen Notizen nach. Es ist eine Form der Bestandsaufnahme. Ich habe gelernt, dass Ahnenarbeit nicht bedeutet, alte Geister zu beschwören, sondern die energetischen Abdrücke zu finden, die sie in meinem System hinterlassen haben. Das ist für mich eine Form von mentaler Klarheit durch systematisches Archivieren.
Es gab Wochen, in denen gar nichts passierte. Ende Januar saß ich oft fassungslos vor meinen Notizen, weil ich keine Verbindung spürte. Ich versuchte einmal, eine Session in meiner Mittagspause in der Bibliothek durchzuziehen – zwischen zwei Rückgabestapel gequetscht. Das Ergebnis war ein hämmerndes Kopfweh und null emotionale Resonanz. Ich habe gelernt: Man kann den Zugriff auf das innere Archiv nicht erzwingen. Es braucht die richtige Umgebung und die nötige Ruhe.
Wenn die Wurzeln nicht nur Licht, sondern auch Schatten werfen
Ein Punkt, der in vielen Ratgebern zur Ahnenarbeit oft zu kurz kommt, ist die Komplexität schwieriger Familienverhältnisse. Es wird oft so getan, als müsse man sich mit jedem Vorfahren bedingungslos versöhnen, um Heilung zu finden. Doch was ist, wenn die Ahnenlinie mit Traumata oder toxischen Mustern belastet ist? In meiner Arbeit mit dem phoenix999-Komplettpaket stieß ich auf diese Barriere. Mein Vater war ein herzlicher Mensch, aber in den Generationen davor gab es Brüche, über die niemand sprach.
Hier unterscheidet sich mein Ansatz von der klassischen Versöhnungsarbeit. Ich sehe es wie das Aussondern von beschädigten Beständen in einer Bibliothek. Man erkennt an, dass das Buch (oder der Vorfahre) Teil des Inventars war, aber man muss die toxischen Inhalte nicht ständig neu auflegen. Die Übungen von Andreas Goldemann erlauben es, die Kraft der Linie zu spüren, ohne die Lasten ungefiltert übernehmen zu müssen. Das ist besonders wichtig, wenn man Familiengeheimnisse heilen möchte, ohne sich darin zu verlieren.

Ich bin keine Ärztin und auch keine Psychologin. Meine Erfahrungen ersetzen keine Therapie und keine professionelle Trauerbegleitung. Wenn dich die Trauer oder die Arbeit mit deiner Familie psychisch überfordert, solltest du dir unbedingt professionelle Hilfe suchen. Für mich war dieser Weg eine Ergänzung, ein privates Forschungsprojekt an mir selbst.
Der Moment, in dem die Wirbelsäule zum Anker wurde
Ein entscheidender Wendepunkt kam an einem sonnigen Morgen Mitte Mai. Ich arbeitete an einer Session aus dem Kurs 'Zurück in die Kraft'. Plötzlich spürte ich eine ausstrahlende Wärme, die in meinem Solarplexus begann und bis in meine Füße hinunterfloss. Es war kein vages Gefühl, sondern eine physische Präsenz. In diesem Moment wurde das Konzept 'Ahnen' für mich greifbar. Es war nicht mehr nur eine Liste von Namen in einem Stammbaum, sondern ein Gefühl von Rückhalt in meiner Wirbelsäule.
Ich notierte mir dazu eine Marginalie in mein Leinen-Heft: 'Bestand gesichert. Fundament stabil.' Seitdem fühle ich mich weniger wie ein einzelnes Blatt im Wind und mehr wie ein Teil eines riesigen, 76 Hektar großen Parks wie Sanssouci – verwurzelt, auch wenn oben die Stürme toben. Diese körperliche Reaktion war die Bestätigung, dass die systematische Bearbeitung meiner inneren Themen Früchte trägt.
Natürlich gibt es auch heute noch Tage, an denen ich den Verlust meines Vaters schmerzhaft spüre. Aber die Ahnenarbeit hat mir ein Werkzeug gegeben, diesen Schmerz nicht mehr als ein Ende zu betrachten, sondern als einen Teil eines fortlaufenden Katalogs. Ich pflege meine Einträge, ziehe Querverweise und erkenne Muster, die mir früher verborgen geblieben wären.

Ein Ausblick vom Schreibtisch
Wenn ich heute Abend mein Leinen-Heft schließe und aus dem Fenster auf die dunklen Umrisse der Parkbäume schaue, spüre ich eine Ruhe, die ich lange nicht kannte. Die vier phoenix999-Kurse sind für mich keine magische Heilung gewesen, sondern eher wie eine sehr gründliche Reorganisation einer verstaubten Fachabteilung. Ich weiß jetzt, wo meine Wurzeln liegen, auch die schwierigen.
Für jeden, der sich in einer ähnlichen Situation befindet – gefangen zwischen dem Wunsch zu funktionieren und der tiefen Trauer –, kann ich nur raten: Such dir ein System, das zu dir passt. Ob es nun ein gelber Karteikasten ist oder ein schlichtes Notizbuch. Fang an, deine innere Geschichte zu dokumentieren. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder alles sofort zu 'heilen'. Es geht darum, wieder eine Verbindung zu sich selbst und zu denen, die vor uns waren, herzustellen. Manchmal ist der wichtigste Schritt einfach nur, sich ruhig hinzusetzen und zuzuhören, was die eigene Linie zu erzählen hat.
Ich werde morgen früh wieder an meinem Platz sitzen, den Duft von Earl Grey und altem Papier in der Nase, und meine nächste Karteikarte ausfüllen. Es gibt noch viel zu entdecken im Archiv der eigenen Existenz.