
Eine Schlaftablette bringt dich in sieben, acht Stunden Bewusstlosigkeit. Eine Session aus der Phoenix999-Ahnenarbeit bringt dich vielleicht gar nicht schneller zur Ruhe, aber sie zeigt dir manchmal, warum du überhaupt wach liegst. Genau diesen Unterschied will ich in diesem Selbsttest-Tagebuch heute nebeneinanderlegen: zwei Wege durch dieselben Schlafstörungen nach einem Verlust, seit die Nächte nach dem Tod meines Vaters aufgehört haben, sich wie Nächte anzufühlen. Um Trauerbewältigung im klinischen Sinn geht es hier nicht. Das ist ein eigenes Kapitel für einen anderen Sonntag. Es geht um die Frage, was wirklich half, wenn die Augen mitten in der Nacht plötzlich wieder offen waren.
Kurzer Hinweis vorab, weil er dazugehört: Ein paar Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Bucht jemand einen Kurs darüber, bekomme ich eine Provision, am Preis für dich ändert das nichts. Ich schreibe ausschließlich über die Phoenix999-Kurse, die ich selbst durchgearbeitet und in mein Leinen-Heft eingetragen habe. Eine Ärztin oder Therapeutin bin ich nicht, nur jemand, die ihre Erfahrungen katalogisiert. Die vollständige Offenlegung findest du weiter unten verlinkt.
Tabletten oder Ahnenarbeit: zwei Sortierungen der Nacht
In der Bibliothek ordne ich nach der Regensburger Verbundklassifikation, jedes Thema kriegt eine Signatur, jeder Band einen festen Platz im Regal. Nach dem Tod meines Vaters im Herbst 2022 hatte mein inneres Archiv keine Systematik mehr. Tagsüber funktionierte ich zwischen Ausleihe und Rückgabe, nachts lag ich wach, und der Kopf sortierte wild durcheinander, was tagsüber nie zur Sprache gekommen war.
Zwei Zustände liegen seither nebeneinander, und ich will sie hier wirklich nebeneinanderlegen, statt sie ineinander zu verwischen: die Nächte mit Tabletten vom Hausarzt, und die Nächte, seit ich anfing, die Ahnenlinie meines Vaters wie einen unsortierten Bestand zu behandeln, den ich nach und nach einräume.
Beides hat funktioniert – nur nicht auf dieselbe Art.

Warum ich die Tabletten nach zwei Wochen wieder absetzte
Der Hausarzt verschrieb mir Schlaftabletten, nachdem ich ihm erzählte, dass ich seit Wochen kaum noch am Stück schlief. Ich nahm sie, wie verschrieben. Die ersten Nächte war ich einfach weg – kein Wachliegen mehr, aber auch kein Gefühl von echter Erholung danach, eher ein dumpfes Aufwachen, als hätte jemand den Ton im Zimmer abgestellt, ohne das Licht zu löschen.
Nach zwei Wochen setzte ich sie selbst wieder ab, ohne große Ankündigung beim Hausarzt – nicht unbedingt die klügste Reihenfolge, das würde ich heute anders angehen. Der Grund war simpel: Ich schlief, aber unter der Bewusstlosigkeit wurde nichts bearbeitet. Die Unruhe verschob sich einfach auf den Morgen, statt sich aufzulösen, wie eine Mahnung, die man ungeöffnet unter einen Stapel Post schiebt.
Das war keine Verurteilung von Tabletten als solche. Nur meine Erfahrung, dass sie das Symptom behandelten und nicht das, was dahinterlag.
Was passiert eigentlich in einer Phoenix999-Session?
Kraft der Ahnen war mein Einstieg, im Spätherbst, nachdem ich zufällig auf ein Video von Andreas Goldemann gestoßen war. Sein Ansatz arbeitet über Stimme und Bewegung, nicht über Analyse, und genau das Nicht-Analysieren musste ich mir regelrecht abtrainieren – als Bibliothekarin will ich Dinge kognitiv fassen, bevor ich ihnen vertraue.
Die Kurse haben ihr eigenes Vokabular – Frequenz, Erdung, Linie –, das sich erst erschließt, wenn man mittendrin steckt, nicht vorher aus einer Liste. Manches, was in einer Session hochkommt, sind Familienmuster, die länger laufen als eine einzelne Generation; anderes ist enger, eine einzelne energetische Blockade, die sich anfühlt wie ein falsch einsortiertes Buch, das den ganzen Griff ins Regal blockiert. Bei mir ging es in den ersten Monaten fast ausschließlich um die väterliche Ahnenlinie, was angesichts der Umstände wenig überraschend war.
Ich will klarstellen, dass ich keine Ausbildung darin habe und auch keine Schamanin bin – ich bin eine Bibliothekarin mit einem gelben Karteikasten, die eine Methode gefunden hat. Mittlerweile habe ich alle vier Phoenix999-Kurse durchgearbeitet, jeder mit einem anderen Schwerpunkt, aber das ist eine andere Aufzeichnung für ein andermal.
Nicht bei jedem liegt der Knoten auf der väterlichen Seite. Wessen Unruhe eher aus der mütterlichen Linie kommt oder aus einer ganz anderen Art von Erschöpfung, findet vielleicht eher Zugang über das Thema Blockaden in der Frauenlinie – ein anderer Ausgangspunkt als meiner, aber dieselbe Grundidee.

Ich wache auf und vergesse ihn für drei Sekunden
Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Wegen zeigt sich für mich nicht beim Einschlafen, sondern beim Aufwachen. Mit den Tabletten gab es diesen harten Übergang von weg zu wach, ohne Zwischenstufe. Ohne sie, seit ich regelmäßig übe, gibt es diese paar Sekunden direkt nach dem Aufwachen, in denen ich noch nicht weiß, dass er tot ist – und dann kommt es zurück, aber die Stille danach ist eine andere geworden. Nicht leiser. Anders sortiert.
Jede Session bekommt bei mir eine Zeile im Leinen-Heft, mit Datum und einer kurzen Randnotiz, mehr Protokoll als Tagebuch. Wie man solche Erfahrungen dokumentiert, ohne den Verstand zu verlieren, habe ich an anderer Stelle genauer aufgeschrieben, unter dem Titel mentale Klarheit durch systematisches Archivieren.
Ich habe dieselbe Praxis irgendwann in den Abend verschoben – kürzere Sessions als tagsüber, mit einem anderen Ziel: nicht Klarheit finden, sondern überhaupt erst einschlafen können. Das funktioniert nicht jeden Abend. Manchmal liege ich trotzdem eine Stunde wach, und der Griff ins Regal bleibt einfach leer, egal wie lange ich suche.
Vorletzten Mittwoch, nach einer Frühschicht, bin ich absichtlich einen Umweg durchs Holländische Viertel gegangen, an den roten Backsteingiebeln vorbei, ohne Eile. Vor der Praxis wäre so ein Umweg nicht drin gewesen – ich wollte dann nur nach Hause, die Augen taten weh vor einer Müdigkeit, die sich nicht wie Schläfrigkeit anfühlte, sondern wie ein Alarm, der nicht ausgeht. Diesmal ging ich langsamer, als ich musste, weil ich es konnte.
Eine Nachbarin aus meinem Haus zieht Gemüse in ihrem Kleingarten am Schlänitzsee, und wenn ich sie im Treppenhaus treffe, erzählt sie manchmal, dass körperliche Arbeit draußen für sie das Einzige ist, was den Kopf leer macht. Das ist ihr Weg, nicht meiner. Aber es erinnert mich daran, dass es nicht die eine richtige Sortierung gibt, nur die, die bei einem selbst greift.
Wann welcher Weg trägt
Für akute, frische Erschöpfung nach einem Verlust – die ersten Wochen, in denen der Körper einfach nur überlebt – würde ich niemandem die Tabletten vom Hausarzt ausreden. Manchmal braucht ein Nervensystem genau diese Pause, um überhaupt wieder funktionsfähig zu sein, und das ist eine Entscheidung, die du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt triffst, keine Schwäche.
Wenn die Unruhe aber bleibt, obwohl der Körper längst wieder könnte – wenn du schläfst, aber nicht das Gefühl hast anzukommen –, dann war für mich der zweite Weg der, der wirklich etwas veränderte: die Ahnenlinie behandeln wie einen Bestand, der neu geordnet werden muss, nicht wie ein Symptom, das man wegdosiert.
Das eine schließt das andere nicht aus. Ich habe beide Wege ausprobiert, nacheinander, nicht gleichzeitig, und nur einer davon ließ sich am nächsten Morgen noch lesbar in mein Leinen-Heft eintragen.
Wenn dich alte Familiengeschichten nachts wachhalten, kann es helfen, emotionale Altlasten loszulassen, bevor die Schlaflosigkeit sich festsetzt. Es war bei mir keine einzelne Nacht, die kippte. Es waren viele kleine Verschiebungen im Bestand, die sich erst zusammen zu etwas Lesbarem fügten.
Das Heft schließe ich heute früher als sonst. Die Signaturen sind, für den Moment, an ihrem Platz.