Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit für Hochsensible: Wie energetische Übungen im Alltag schützen

Ahnenarbeit für Hochsensible: Wie energetische Übungen im Alltag schützen

Es war ein Dienstagnachmittag vor etwa drei Wochen, an dem das Neonlicht in der Fachbibliothek besonders laut zu summen schien. Kennst du das, wenn sich das Geräusch von umblätternden Buchseiten wie kleine, scharfe Schnitte auf der Haut anfühlt? Ich stand am Ausleihtresen, und der Bestand an Rückgaben stapelte sich, während ein Nutzer ungeduldig mit seinem Bibliotheksausweis auf die Holzplatte trommelte. Früher hätte mich diese Situation völlig aufgelöst – ich hätte die Ungeduld des Mannes wie einen nassen Schwamm aufgesogen und den Rest des Tages mit einem flauen Gefühl im Magen verbracht. Doch in diesem Moment schloss ich für einen Wimpernschlag die Augen und besann mich auf meinen inneren Ankerplatz.

Als Hochsensible ist mein System darauf programmiert, Reize ungefiltert aufzunehmen. Es ist eine geringere Hemmung in der Reizverarbeitung, wie man in der Fachliteratur lesen würde, aber für mich bedeutet es schlicht: Die Welt ist oft zu laut, zu nah und zu viel. Seit ich mich intensiv mit der Ahnenarbeit beschäftige – mittlerweile sind es alle vier phoenix999-Kurse, die ich systematisch durchgearbeitet habe –, hat sich mein Umgang mit dieser Offenheit grundlegend verändert. Es ist, als hätte ich eine neue Signatur in meinem inneren Katalogsystem gefunden, die mir hilft, die Flut der Eindrücke zu sortieren, bevor sie mich überschwemmt.

Das Archiv der Herkunft: Warum Ordnung im Innen Schutz im Außen schafft

In meinem Beruf als Bibliothekarin lebe ich von der Systematik. Ein Buch ohne Signatur ist im Magazin verloren; eine Information ohne Querverweis bleibt isoliert. Genau diese Herangehensweise habe ich auf meine inneren Erfahrungen übertragen. Mein gelber Karteikasten, in dem ich Zitate aus den Sessions von Andreas Goldemann sammle, ist für mich mehr als nur eine Gedächtnisstütze. Er ist eine Form der energetischen Inventur. Wenn ich morgens in meiner Potsdamer Gründerzeit-Wohnung sitze und auf den Park Sanssouci blicke, der sich über seine beeindruckenden 290 Hektar erstreckt, nutze ich die Zeit vor dem Dienst für meine Übungen.

Ein gelber Karteikasten aus Holz mit handgeschriebenen Notizen zur Ahnenarbeit auf einem Schreibtisch.

Ich habe gelernt, dass Ahnenarbeit für Menschen wie uns oft ein zweischneidiges Schwert ist. Viele Ansätze verlangen, dass man sich tief in die Leiden und Lasten der Vorfahren hineinbegibt. Für eine hochsensible Person kann das kontraproduktiv sein. Wir neigen ohnehin dazu, die Lasten anderer zu tragen. Wenn ich mich jetzt noch zusätzlich mit dem ungeklärten Schmerz meiner Urgroßmutter belaste, verliere ich vollends den Boden unter den Füßen. Mein Ansatz – und das ist das Besondere an der Arbeit mit dem Kurs „Kraft der Ahnen“ – zielt nicht darauf ab, fremde Lasten zu schultern, sondern die eigene energetische Abgrenzung im Hier und Jetzt zu stärken.

Es geht darum, die Ahnenlinie als eine Kraftquelle im Rücken zu spüren, anstatt sie als einen Rucksack voller ungelöster Probleme vor sich her zu tragen. In den dunklen Januartagen dieses Jahres gab es eine Woche, in der ich keine einzige Session machen konnte. Ich war erschöpft, die Trauer um meinen Vater, der so plötzlich im Herbst 2022 verstarb, kam in Wellen zurück. Ich ließ das Leinenheft liegen. Doch genau in dieser Pause merkte ich, wie sehr mir das Fundament fehlte. Es ist wie bei einem Buch, dessen Einband nach ISO 9706 alterungsbeständig sein muss: Ohne die richtige Struktur zerfällt der Inhalt unter dem Druck der Zeit.

Die Stimme im Rücken: Energetische Abgrenzung am Ausleihtresen

Zurück zu dem ungeduldigen Nutzer vor drei Wochen. Anstatt seine Aggression zu absorbieren, erinnerte ich mich an eine spezifische Session aus dem Ahnenkurs – es ist die siebte von insgesamt 12 Sessions, die sich intensiv mit der Positionierung in der eigenen Linie beschäftigt. Ich spürte plötzlich dieses vertraute Wärmegefühl im unteren Rücken. Es fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Hand mich stützen, eine sanfte, aber unnachgiebige Präsenz, die mir sagte: „Du musst das nicht aufnehmen. Es gehört ihm, nicht dir.“

Diese „Kraft im Rücken“ ist für Hochsensible der ultimative Schutz. Wenn wir wissen, wer hinter uns steht, müssen wir uns nach vorne nicht mehr so massiv panzern. Wir können offen bleiben, ohne schutzlos zu sein. Ich habe diesen Moment später in mein Notizbuch eingetragen, mit einem Querverweis auf meine Notizen zum Thema Selbstwertgefühl stärken durch Ahnenarbeit für mehr Stabilität im Alltag. Es war eine der Marginalia, die mir zeigten, dass die Theorie der Kurse in die Praxis meines Berufslebens übergegangen ist.

Blick aus einem Fenster in Potsdam auf die grünen Bäume des Parks Sanssouci im Sommer.

Die Methode von Andreas Goldemann arbeitet viel mit Klang und Intuition. Das kommt mir entgegen, weil es meinen Kopf entlastet. Als Bibliothekarin bin ich den ganzen Tag von Wörtern umgeben. Wenn ich nach Hause komme, brauche ich keine weiteren intellektuellen Analysen. Ich brauche etwas, das mein Nervensystem beruhigt. An einem schwülen Abend im Juli saß ich am offenen Fenster, die Luft stand still über den alten Eichen des Parks, und ich hörte einfach nur zu. Kein schamanisches Trommeln, keine komplizierten Visualisierungen – nur diese Frequenz, die etwas in mir ordnet.

Fehlversuche und leere Seiten: Die Ehrlichkeit der Nachbearbeitung

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass seit dem Kurskauf alles perfekt ist. Es gab Sonntage, an denen ich mein Leinenheft aufschlug und kein einziges Wort zustande brachte. Die Systematik versagte. Ich bin keine spirituelle Lehrerin und erst recht keine Therapeutin. Ich habe keine Ausbildung in Energiearbeit und besitze keine Zertifikate, die an der Wand hängen. Ich bin eine Frau, die mit einem gelben Karteikasten versucht, ihr inneres Erbe zu verwalten. Manchmal ist der Bestand einfach „vermisst“ oder „zur Buchbinderei“, sprich: nicht verfügbar.

Es gab Wochen im frühen Frühling, in denen ich mich durch die Sessions quälte und das Gefühl hatte, nur eine Wand aus statischem Rauschen zu hören. Nichts passierte. Keine Wärme, kein Schutz, nur das Ticken der Uhr in meiner Flurdiele. Ich habe gelernt, diese Leerstellen wie Lücken im Regal zu behandeln. Sie gehören dazu. Manchmal muss der Geist erst Platz schaffen, bevor neue Informationen einsortiert werden können. Hochsensibilität bedeutet auch, dass man Phasen der absoluten Reizstille braucht, in denen selbst die Ahnenarbeit zu viel sein kann.

Ein offenes Notizbuch mit Leineneinband und ein Füllfederhalter auf einem dunklen Holztisch.

Wichtig ist mir dabei die Abgrenzung: Ich mache das hier nicht, um „geheilt“ zu werden. Ich mache es, um funktionsfähig und bei mir zu bleiben. Wenn du merkst, dass die Belastungen deiner Ahnen dich erdrücken oder die Reizüberflutung in Depression umschlägt, ist ein Kurs kein Ersatz für professionelle Hilfe. Such dir einen Therapeuten oder einen Arzt, wenn die Last zu schwer wird. Ich sehe diese Arbeit als ein Werkzeug zur Selbstregulation, nicht als medizinische Intervention. Es ist eine energetische Inventur, die mir hilft, meine eigene Signatur in der Welt deutlicher zu lesen.

Sonntagabend-Reflexion: Das kühle Leinen unter den Fingern

Heute ist wieder so ein Sonntagabend. Ich sitze an meinem Schreibtisch, das kühle Leinen meines Notizbuchs unter den Fingerspitzen, während draußen der Wind die alten Eichen im Park Sanssouci biegt. Ich blättere durch die Einträge der letzten Monate. Die Handschrift hat sich verändert; sie ist ruhiger geworden, weniger gedrängt. Die Querverweise zu meinem Vater sind da, aber sie sind nicht mehr mit Tränenflecken übersät. Sie sind jetzt Teil meiner persönlichen Biografie, ordentlich erfasst und abgelegt.

Für uns Hochsensible ist der Schutz im Alltag keine Frage von dicken Mauern, sondern von innerer Präsenz. Wenn ich spüre, dass ich in der Ahnenlinie stehe – als die 39-jährige Bibliothekarin, die ich bin, weder mehr noch weniger –, dann entsteht eine natürliche Grenze. Ich muss mich nicht mehr anstrengen, mich abzugrenzen. Die Abgrenzung passiert von selbst, weil ich meinen Platz im „Bestand“ kenne. Es ist eine Form von Sicherheit, die ich jedem wünsche, der sich oft von der Welt überwältigt fühlt. Vielleicht hilft dir ein Blick in meine anderen Notizen, etwa wie ich lerne, emotionales Erbe zu verstehen und systematisch im eigenen Tagebuch zu dokumentieren, um deinen eigenen Weg durch das Dickicht der Reize zu finden.

Die Arbeit mit den 12 Sessions von Kraft der Ahnen war für mich der Anfang einer langen Reise zu mehr Ruhe. Es ist kein Hokuspokus, sondern eine sehr präzise, fast schon handwerkliche Arbeit an der eigenen energetischen Struktur. Und während ich das Heft für heute schließe und den gelben Karteikasten zurück in das Regal stelle, weiß ich: Morgen am Ausleihtresen werde ich wieder stehen. Vielleicht wird es laut, vielleicht wird es hektisch. Aber die Wärme in meinem Rücken wird da sein. Und das ist alles, was zählt.

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