
Draußen vor meinem Fenster verschluckt der Potsdamer Nebel langsam die Sicht auf das Drachenhaus im Park Sanssouci. Es ist einer dieser Sonntagabende im späten November, an denen die Dunkelheit nicht bloß eine Tageszeit ist, sondern sich wie eine schwere, samtene Decke über die Stadt legt. Ich sitze an meinem Sekretär, unter meinen Fingerspitzen spüre ich das raue Leinen meines Notizbuches, in das ich seit Abschluss der vier phoenix999-Module jeden Sonntag meine Revision eintrage.
Hinweis: In meinen Texten finden sich gelegentlich Links zu den Kursen von Andreas Goldemann. Wenn du über diese Links buchst, erhalte ich eine Provision — für dich bleibt der Preis identisch. Ich katalogisiere hier nur Erfahrungen, die ich in meinem eigenen Bestand geprüft und für wertvoll befunden habe. Meine vollständige Offenlegung ist am Ende der Seite verlinkt.
Der Herbst war für mich lange Zeit eine fehlerhafte Signatur im Lebenslauf. Seit mein Vater im Herbst 2022 so unvermittelt aus dem Bestand des Lebens gestrichen wurde — eine ganz normale Donnerstagnacht, kein Querverweis auf eine Vorerkrankung, einfach ein Herzinfarkt —, fühlte sich diese Jahreszeit an wie eine offene Wunde. Ich habe lange versucht, einfach weiter zu funktionieren, wie ein Buch, das man trotz eines Wasserschadens wieder ins Regal stellt, in der Hoffnung, niemand bemerkt das Wellen der Seiten. Doch die Trauer im Herbst hat eine eigene, tückische Systematik. Sie blockiert den Zugriff auf die inneren Ressourcen, genau dann, wenn man sie am dringendsten braucht.
Das Archiv der Heilung: Warum Systematik bei Trauer hilft
In meiner Arbeit in der Fachbibliothek ordne ich alles nach der Regensburger Verbundklassifikation (RVK). Es gibt mir Sicherheit, wenn jedes Thema seinen festen Platz hat. Als ich vor einiger Zeit auf die Kurse von Andreas Goldemann stieß, war meine erste Reaktion die einer Skeptikerin: Kann man emotionale Altlasten wirklich durch Töne und Bewegungen lösen? Doch nach dem ersten Modul merkte ich, dass ich anfing, meine inneren Erfahrungen mit derselben Präzision zu behandeln wie meine Bestandsaufnahmen im Keller der Bibliothek.

Ich habe angefangen, die Sessions wie Archivmaterial zu behandeln. In meinem gelben Karteikasten im Format DIN A6 finden sich nun Karten für jede wichtige Erkenntnis. Es ist kein schamanischer Hokuspokus, sondern eine Form der inneren Inventur. Besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn die Isolation zunimmt, hilft mir dieser systematische Ansatz, mein emotionales Erbe zu dokumentieren. Ich bin keine Therapeutin und keine spirituelle Lehrerin — ich bin eine Frau, die Ordnung in das Chaos ihrer Trauer bringen wollte.
Die Kraft der Ahnen wird oft als etwas Abstraktes dargestellt, fast schon Kitsch. Aber für mich ist es eher wie ein riesiger Katalog im Hintergrund. Wenn ich morgens vor der Arbeit in meiner Gründerzeit-Wohnung übe, während das Licht gerade erst mühsam über die Baumkronen des Parks kriecht, geht es nicht um Geisterbeschwörung. Es geht darum, die Linie hinter mir zu spüren, die mich stützt. Mein Vater ist jetzt Teil dieses Bestandes. Er ist keine Lücke mehr, die schmerzt, sondern eine Ressource, die ich in meine innere Kartei einsortieren durfte.
Die Blockade der frischen Trauer durchbrechen
Ein großes Problem bei herkömmlichen Ratschlägen zur Ahnenarbeit ist, dass sie oft davon ausgehen, man könne sofort eine liebevolle Verbindung aufbauen. Doch wenn der Verlust noch so präsent ist wie bei mir im Herbst 2022, ist der Schmerz wie eine Mauer. Die Trauer blockiert die Sicht auf alles, was davor war. Man sieht nur den einen fehlenden Menschen, nicht die Kette aus hunderten Vätern und Müttern, die davor kamen.
Ich erinnere mich an einen Versuch, einer Kollegin beim Mittagessen in der Kantine zu erklären, was ich da eigentlich mache — diese 'Klang-Ablösungen', die Andreas Goldemann nutzt. Es folgte ein peinliches Schweigen, ein kurzes Klappern der Gabeln und ein hastiger Themawechsel zum neuen Leihsystem. In diesem Moment fühlte ich mich wieder wie das Endstück einer einsamen Kette. Aber genau hier setzen die phoenix999-Kurse an: Sie arbeiten nicht über den Verstand, der ohnehin alles analysieren und ablehnen will, sondern über das Feld.

An einem besonders nebligen Dienstagmorgen im Februar saß ich in meiner Übung und spürte plötzlich dieses tiefe, unwillkürliche Ausatmen. Mein Kiefer, der seit Monaten fest gebissen schien, löste sich bei den ersten Tönen der Session. Es war ein Moment der inneren Anspannung, die sich endlich lösen durfte. Ich begriff: Ich muss meinen Vater nicht 'loslassen', als würde ich ein wertvolles Buch aus dem Bestand werfen. Ich darf ihn als festen Bestandteil meiner Geschichte behalten, während ich gleichzeitig die Last der ungeklärten Themen meiner Ahnenlinie abgebe.
Winterzeit ist Wurzelpflege
Mitte Januar, nach etwa sechs Wochen täglicher Praxis mit dem Ahnen-Modul, änderte sich meine Wahrnehmung der dunklen Tage. Wenn ich heute durch Sanssouci gehe — den Park, der seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört —, sehe ich die kahlen Bäume nicht mehr als Symbole des Todes. Ich sehe sie als Wesen, die ihre gesamte Energie in die Wurzeln ziehen. Das ist es, was die Ahnenarbeit im Winter für mich bedeutet: Wurzelpflege.
- Regelmäßigkeit: Ich übe jeden Morgen etwa 20 Minuten. Es ist wie das tägliche Öffnen der Bibliothek — Routine schafft Sicherheit.
- Dokumentation: Jede Session bekommt einen Querverweis in meinem Leinen-Heft. Was hat sich körperlich verändert? Was war nur Kopfarbeit?
- Kein Zwang: Es gab Wochen, in denen gar nichts passierte. Leere Seiten. Das ist okay. Ein Archiv wächst auch nicht an jedem Tag gleich schnell.
Es ist wichtig zu betonen: Diese Arbeit ersetzt keine Trauerbegleitung oder Psychotherapie. Wenn der Schmerz so tief sitzt, dass man morgens nicht mehr aufstehen kann, ist professionelle Hilfe der richtige Weg. Ich sehe Andreas Goldemanns Methode als eine energetische Ergänzung, als ein Werkzeug zur Selbsthilfe für diejenigen, die — wie ich — eine Methode suchen, ihre inneren Wurzeln zu finden und nach einem Verlust neuen Halt zu suchen.
Wenn die Übung nicht funktioniert: Ehrlichkeit im Prozess
Nicht jede Session war ein Durchbruch. Es gab Momente, in denen ich Andreas' Stimme hörte und einfach nur genervt war. In Woche 14 meines Prozesses habe ich eine Session nach fünf Minuten abgebrochen, weil mein Kopf nur an die fälligen Mahnungen in der Ausleihe dachte. Mein Bibliothekarinnen-Gehirn wollte katalogisieren, aber nicht fühlen. Das gehört dazu. Es gibt Tage, an denen der Bestand einfach nicht zugänglich ist, wie ein Magazin mit defekter Belüftung.

Aber gerade diese Ehrlichkeit ist es, die mich bei der Stange hält. Ich bin keine spirituelle Überfliegerin. Ich bin jemand, der mit einem gelben Karteikasten und einem Laptop in einer Potsdamer Wohnung sitzt und versucht, die Dunkelheit des Herbstes mit der Kraft derer zu füllen, die vor mir da waren. Die Erkenntnis, dass ich nur das aktuelle Glied einer sehr langen, starken Kette bin, hat die Isolation des Winters aufgehoben.
Jetzt, wo ich alle vier phoenix999-Kurse durchgearbeitet habe, ist mein Blick auf meine Familie ein anderer. Es ist ein friedlicherer Blick geworden. Wenn ich heute Abend mein Leinen-Heft schließe und den Tee austrinke, weiß ich, dass der nächste neblige Morgen kommen wird. Aber ich weiß auch, dass ich nicht alleine in diesem Nebel stehe. Mein Vater ist da, und seine Väter sind da, als stille Marginalia in meinem Lebensbuch, die mir Halt geben, ohne dass ich sie ständig lesen muss. Es ist ein gutes Gefühl, seinen Platz im Gesamtkatalog gefunden zu haben.